Archiv für: August 2010

weimar conference_2010

17. August 2010 von Chris

(click the pix)

Manchmal ergeben sich Dinge spontan, so dass man schnell reagieren muss. Das taten wir dann auch. Unsere Kommunikationspartnerin Susanne Junker von stageBack, Shanghai ist für eine kurze Zeit auf dem europäischen Kontinent gelandet. Nach einem Intermezzo in Paris, traf sie sich u.a. mit Thomas Palme für eine Wandertour im Allgäu. Für uns hatte sie dann den nächsten Interviewee in der Reisetasche: Den Künstler und Kurator Konstantin Bayer, Galerie Eigenheim, Weimar. Also initiierten wir ein Treffen in Weimar.

Da Konstantin für die Gallery exchange (junge kunst aus weimar | contemporary bauhaus trifft Galerie Frenhofer, Berlin, geht bis 30. August) unterwegs war, warf er sich ins Auto und fuhr von Berlin nach Weimar, um sich mit uns für das Inspiration Lounge Interview zu treffen.

Und damit nicht genug. Der Fotograf und Künstler Thomas Rusch, Hamburg, war auch gerade wegen eines Projekts auf der Durchreise in Weimar. Wunderbar für uns, denn dies war unser nächstes Interview. Thema: Fotografie, Sexualität und Fetisch.

So geschah es, dass wir alle letzten Samstag in der Galerie Eigenheim zusammentrafen und, voilà, da war sie geboren: Die WeimarConference_2010.

Der Abend war sehr spannend, diskussionsfreudig und rotweinlastig. Es kamen immer mehr Leute in die Galerie, und so geht das Konzept von Konstantin Bayer und der Galerie Eigenheim bestens auf. Einen offenen Ort für Austausch, künstlerische Arbeit und interdisziplinäre Projekte in familiärer Atmosphäre zu erschaffen. Gut gemacht.

Heute sprechen wir mal über Preise

10. August 2010 von Kerstin

Vor mehr als neun Jahren haben wir uns den Namen le tapir gegeben. Der Name hat sich inzwischen so mit uns verbunden, dass Freunde und Bekannte uns gerne mit den Worten »ah, die Tapire sind da« begrüßen und wir unsere Inspiration Lounge-Mails stets »mit besten Grüßen von den Tapiren« verschicken.

Dank Ceren Meissner und Martin Haußmann fand nun der oben abgebildete Tapir seinen langen Weg von Burkina Faso über Avignon bis in unser Kölner Domizil. Und weil Berlin seine goldenen Bären hat und Cannes die goldenen Palmen, kam uns die Idee, das Geschenk zum Anlass zu nehmen, künftig im Rahmen der Inspiration Lounge ebenfalls einen jährlichen Preis zu verleihen: den goldenen Tapir.

Mehr dazu demnächst.

Can’t you see that I’m…

08. August 2010 von Kerstin

Gestern sprach ich mit einer Freundin, die seit langer Zeit Kurzgeschichten schreibt. Sie erzählte mir, wie sehr es sie immer wieder erstaune, wenn andere sie fragen, ob sie denn nicht davor Angst habe, dass ihr auf einmal keine gute Idee mehr einfallen könnte.

»Oft kommen diese Fragen gerade dann, nachdem ich eine meiner Geschichten erfolgreich verkauft habe. Ich weiß also, dass mehr als eine Hand voll Menschen diese Geschichte gut fanden. Kurz darauf bin ich natürlich schon bei den nächsten Geschichten und just da kommt dann die Frage nach meiner Angst vor dem Ausbleiben guter Ideen. Das ist, offen gesagt, nicht unbedingt förderlich. Ich finde es auch nicht ganz nachvollziehbar, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Ich habe den Eindruck, dass nur Leuten aus per se kreativen Berufen diese Frage gestellt wird. Würde man einen Konditor, der gerade einen guten Kuchen gebacken hat fragen, ob er nicht fürchtet, dass ihm schon morgen die Ideen für guten Kuchen ausgehen könnten?

2. Die Frage geht gedanklich davon aus, dass ich mir alle Ideen zu meinen Geschichten ausdenke, dass sie aus mir allein »herauskommen«, praktisch einfach so. Ich muss nur meinen Kopf genug bemühen, um auch noch in den letzten Winkeln meines Hirns eine Geschichte zu erfinden. Und wenn mir das nicht mehr gelingt, ist alles zu Ende. Leute, diese Sichtweise übt einen enormen Druck aus, weshalb ich mir schon vor einiger Zeit eine andere Auffassung zugelegt habe.

Diese basiert auf einer Gewohnheit der alten Römer. Brachte damals jemand etwas besonderes zustande, sprach man davon, er habe einen Genius gehabt. Der Genius half einem dabei, aus der täglichen Arbeit und dem eigenen Engagement etwas wirklich Beeindruckendes zu schaffen. Interessant ist übrigens, wie sich die Redensart im Laufe der Jahrtausende verschoben hat, denn heute sprechen wir nicht mehr von einen »Genius haben«, sondern von selbst ein »Genius sein«. Gingen die Römer also selbstverständlich davon aus, man brauche zur ganz besonderen Leistung auch noch Hilfe von außen oder von oben (je nachdem, wie man es sehen will), verlagerte sich die Verantwortung danach auf den Schaffenden allein. Kein Wunder, dass damit erheblicher Druck und Versagensangst verbunden sein kann. Kein Wunder auch, wie viele Künstler, Schriftsteller oder auch Wissenschaftler sich schon damit gequält haben.

Sieht man es mehr so wie die Römer, erhält die ganz Angelegenheit ein freundlicheres Gesicht. Statt immensem Druck, alles aus sich selbst heraus entstehen lassen zu müssen und dabei völlig allein zu sein, muss ich nur mit meinem ganzen Engagement weiter an meinen Dingen arbeiten. Ich schaue also, dass ich »meinen Teil« der Arbeit stetig und immer so gut wie möglich mache. Ich kann zwar nicht dafür garantieren, dass ein Genius jeden Tag genauso konzentriert bei der Sache ist und »seinen Teil« dazu liefert. Aber ich gehe doch davon aus, dass er zumindest ab und zu reinschaut, solange ich mich weiter über und dranbleibe. Bis heute klappt das gut so.

Es gibt dazu auch eine schöne Geschichte von bzw. über Tom Waits. Wir alle kennen wüste Stories über ihn und es heißt vor allem, er habe sich lange Jahre immer wieder in unglaublicher Tag- und Nachtarbeit unter zahlreichen »Hilfsmitteln« abgearbeitet, um die vielen Songs entstehen zu lassen. Eines Tages aber »passierte« ihm Folgendes.

Er fuhr gerade mit dem Wagen durch L.A., als ihm eine Idee, eine Melodie durch den Kopf schoss. Normalerweise ging er in solchen Momenten sofort an’s Klavier und zu Stift und Papier, um die Melodie festzuhalten. Das ging jetzt aber nicht, und er geriet fast in Stress vor Angst, die Melodie zu verlieren. Doch stattdessen fuhr er an den Straßenrand, hielt an, sprang aus dem Auto, schaute leicht erzürnt nach oben und rief laut: »Can’t you see that I’m driving?«

Er selbst sagte darüber, er wisse nicht genau, was ihn bewegte, das zu tun. Aber er wisse genau, dass er seine Arbeit ab diesem Zeitpunkt anders begriffen habe – ohne den ganzen nervenden Druck – mit mehr Freude und Selbstverständlichkeit.«

ego-speed

05. August 2010 von Chris

Du musst es aufmachen und auf Vollfläche anschauen –Lautstärke auf Maximum.

Was dann passiert ist unglaublich. Nach kürzester Zeit hat es dich. Du weichst aus, rein in die Kurve, schreckst zurück. Dein Fuß zuckt. Du drückst ihn leicht durch…

Manchmal sind Dinge in ihrer radikalen Konsequenz einfach und genial. Eine Idee, ein Kurzfilm, kompromisslos umgesetzt. Vor 30 Jahren schon außergewöhnlich, heutzutage unfassbar.

PS. Das Ding ist nicht gefaked. Nicht die Geschwindigkeit manipuliert,nichts . Der Typ hat das einfach so durchgezogen.

Merci, Frank.

Fragen

04. August 2010 von Kerstin

Viele machen Urlaub, wir neue Interviews.

Letzten Montag waren wir bei Florian Zwißler, Musikwissenschaftler, Musiker und Komponist mit Schwerpunkt Neue Musik. Mit Freude hatten wir zuvor festgestellt, dass er nur ein paar Ecken weit entfernt von uns lebt und arbeitet. Von daher stand unser Treffen nicht nur unter dem Stern eines neuen Inspiration Lounge Interviews, es war ein um drei Ecken arrangiertes Nachbarnkennenlernen. Frank Dehner empfahl uns Veit Landwehr, der uns Florian Zwißler an’s Herz legte.

Zwischen zahlreichen seiner Instrumente und Arbeitsgeräte, mittendrin ein von ihm hoch geschätzter Analog-Synthesizer, fand unser Interview mit Florian Zwißler statt. Er erzählte uns, warum ihn gerade der Bereich Neue Musik so fasziniert, was Musik und Philosophie verbindet, und warum es wichtig ist, sich nicht nur immer neue Fragen zu stellen, sondern diesen auch nachzugehen.

Dass Florian dies konsequent macht, zeigen seine zahlreichen Projekte, seine Kooperationen, u.a. mit Matthias Zielfeld, Rochus Aust oder Veit Landwehr, und seine Tätigkeit für die Folkwang Hochschule oder die Stockhausen-Stiftung. Mir drängten sich dabei gleich zwei Fragen auf: 1. Arbeitet Florian eigentlich 24 Stunden am Tag, um die Vielzahl von Projekten zu stemmen? Darauf gab er mir selbst eine Antwort. Und 2., wie bekomme ich alle seine interessanten Informationen und Arbeiten, einschließlich der Kostproben vom Ananlog-Synthesizer, in nur einem Video unter?

Dieser Frage werde ich jetzt nachgehen. Die Antwort gibt’s demnächst.