Archiv für: April 2010

Das Spinett im Palmehimmel

30. April 2010 von Chris

(Click the Pix)

Gerade erreichten uns die neuesten Bilder aus Wien. Thomas Palme bei der Eröffnung der Ausstellung »Rising Spinett«. Dafür wurde nach Palmes Halluzination extra ein Spinett gebaut, das aussieht, als ob es auch direkt aus Salvador Dalis Phantasie entsprungen ist. An der Decke der Galerie hängend, zerfließt es förmlich in den Raum.

Anläßlich der Eröffnung kamen extra Susanne Junker, stageBack Shanghai, Thomas Palme und der Spinetterbauer, der in schweißtreibender Arbeit dafür gesorgt hat, dass auch wir jetzt Palmes Halluzination endlich sehen können.

Rising Spinett

27. April 2010 von Kerstin

t.palme(click the pix)

Die nächste Thomas Palme Ausstellung kündigt sich an. Dazu einige Worte von ihm selbst:

»leider habe ich phasen,
in denen ich fast nicht schlafen kann.
ich höre dann die ganze nacht musik,
und trinke zur beruhigung auch viel alkohol.

einmal machte ich nach einer schlaflosen nacht
mit meiner freundin eine bergtour auf den
2600m hohen krottenkopf. nicht weit vom gipfel
hatte ich eine gewaltige halluzination.
ich hörte ganz laut musik von händel und sah
hinter dem gipfel ein riesiges spinett in den
himmel emporsteigen.

deswegen heißt die ausstellung RISING SPINETT.
das spinett wird man sehen. es ist eine aus-
stellung über schlaflosigkeit und musik.«

Thomas Palme ist momentan sehr viel unterwegs. Er bespielt Österreich, zumindet ein gutes Stück davon, äußerst ausgiebig. Außerdem war er gerade letztes Wochenende in Köln, um seine Arbeiten für die Ausstellung Turm & Turm aufzubauen und dann direkt wieder ins Allgäu zu fahren, wo in aufwendiger Arbeit das halluzinierte Spinett durch handwerkliche Expertise reale Gestalt annimmt. Schon am 29.4. bei der Ausstellungseröffnung in der Galerie Konzett in Wien soll es zu sehen sein. Natürlich muss diese Ausstellung auch noch aufgebaut werden. Und die nächsten Ausstellungen plus Performance stehen schon vor der Tür.

Es gibt Stimmen, die sagen: ja, muss er sich denn um all das kümmern? Ist doch gar nicht seine Aufgabe – das Spinett, der ganze Aufbau, die viele Fahrerei. Ja, mag sein, dass man vieles von anderen erledigen lassen kann. Thomas Palme macht sich selbst die Arbeit, damit die Dinge gut werden und man am Ende tatsächlich sehen kann, wie das Spinett emporsteigt.

Wer sonst außer ihm sollte denn wissen, wie das aussieht? Nur er hat es bisher gesehen. Und so ist das eben: mancher hat eine Halluzination, doch nicht jeder schafft es, sie in Kunst umzusetzen, damit auch wir sie sehen.

Die zwei Türme

25. April 2010 von Chris

thomas palme_mauritiuskirche (click the pix) Zwei kleine , sehr feine Ausstellungen fanden während des ganzen Art Cologne Troubles fernab des Massenhypes statt. Das Konzept Turm + Turm von Darling Publications zeigte einem exklusiven Publikum ausgewählte Objekte von Thomas Palme, Susanne Rottenbacher, Boris Becker, Gerhard Winkler, Stepanek/Maslin und Joachim Elzmann.

Präsentiert wurde im Turm der Lutherkirche und in der Innenanlage der Mauritius Kirche. Zwei Orte, die man sich in Ruhe anschauen sollte.

Fein war auch die Idee, nicht die klassische White Cube/Weisswein Atmosphäre zu zelebrieren, sondern auf Bierbänken mit selbstgemachten Salaten und Frühlingsrollen einen kleinen family-artigen hotspot zu schaffen. Austausch zwischen Künstlern und Interessierten mal basic. Sehr erfrischend.

Fazit: Es sollte öfters vorkommen, dass Menschen einfach und unprätentiös Dinge in die Hand nehmen, um Raum für spannende und interessante Menschen zu schaffen. Haben alle was davon.

Schöne Grüße auch an Thomas Palme, der sich extra aus Österreich auf den langen Weg nach Köln gemacht hatte.

Das Salz von Motoi Yamamoto

22. April 2010 von Chris

sankt peter, köln, m.yamamotoGestern trafen wir auf einen Künstler, der uns mit seiner Arbeit begeistert hat: Motoi Yamamoto. Im Rahmen der Art Cologne ist seine Einzelausstellung »Labyrinth« zu sehen.

Schon der Ausstellungsort ist außergewöhnlich. Im ausgeräumten Kirchenschiff von St. Peter stehe ich vor einer ca. 120 qm flächigen Salzskulptur. Ein feingezogenes Labyrinth sich filigran verästelnder Wege, der Abstand immer gleichbleibend, ein Ornament voller Schönheit und radikaler Schlichtheit.

Versteckt hinter einer Säule steht ein japanisches Filmteam. Kurze Zeit später interviewen sie den leise und sehr bedacht sprechenden Motoi Yamamoto, 44, geboren in Hiroshima. Sein Arbeitsmittel ist Salz. Salz, das in der japanischen Welt für innere Reinigung steht. Fasziniert hat mich an seinem Werk der enorme Arbeitsaufwand und das Wissen, dass das Labyrinth einfachen mechanischen Reizen ausgesetzt ist. Sobald ein Zuschauer daneben tritt, was tatsächlich auch passierte, ist sein Werk, zumindest teilweise, zerstört. Aber darum geht es meiner Ansicht. Der aktive Prozess des Machens, die Geduld und Präzision, mit der eine Handlung vollzogen wird. Die Erkenntnis, dass in diesem Machen auch immer Vergängliches liegt. Bei Ausstellungsende nimmt sich jeder Besucher ein wenig Salz mit und soll es, nach der Idee des Künstlers, wieder dem Meer zuführen.

Später erfuhren wir dann auch von den Problemen, mit denen Motoi Yamamoto während seiner 12 bis 15-stündigen Arbeitsphasen zu kämpfen hatte. Nach Tagen kniend, den Rücken mit Anti-Schmerzpflastern getaped, halfen ihm abends nur noch ein heißes Bad und ein Bier.

Schließlich hat er es geschafft. Das Ergebnis ist mehr als sehenswert.

Motoi Yamamotos blog.

Wenn der Postmann ein Mal klingelt

21. April 2010 von Kerstin

reneAls ich neulich das Inspiration Lounge Interview von René Tinner bearbeitete, habe ich lange Zeit überlegt, welche Abschnitte der Videoaufnahme Teil des inzwischen veröffentlichten Interviewfilms werden sollen. Da René so viele interessante Dinge erzählt hat, war die Auswahl schwer. Immer wieder habe ich verschiedene Teile in neuen Variationen zusammengestellt. Ein um’s andere Mal wurde der Film auf diese Weise zu lang.

Mitten in diesem Hin- und Herprobieren fiel mir plötzlich auf, dass René während des Interviews etwas erzählt hatte, dass genau zu meiner Situation passte.

»Du hast heute, gerade auch durch die Technik, wahnsinnig viele Möglichkeiten. Es bleibt aber die Frage: wann ist der Song fertig?

So ist das, nicht nur in der Musik. Unglaublich viele Möglichkeiten, Interviewmomente, Gesagtes einzubringen und zusammenzufügen, aber wann kommt der Film raus? Also habe ich mich weiter erinnert, was René sagte:

»Bei CAN war der Song immer um zehn Uhr morgens fertig. Da kam der Bote, um das Material in’s Presswerk zu bringen. Also haben wir immer das Beste getan, das bis dahin möglich war. Wäre der Bote am Tag darauf um zehn gekommen, hätten ich den Song genau bis dahin fertig gestellt. Ob er dann besser gewesen wäre, wer weiß?

Genau das ist es. Man muss einen Punkt finden, an dem es in diesem Moment gut ist. An dem man das getan hat, was bis dahin wirklich wichtig und machbar war. Klar, mit mehr Zeit könnte man immer noch dies oder das tun, noch einen Aspekt einbauen, noch mal überlegen, überarbeiten…unter uns: wann ist es wirklich perfekt? Für wen? Und auch noch nach einigen Tagen, Jahren? Wie oft denkt man selbst, sobald man etwas mit zeitlichem Abstand betrachtet: das würde ich heute anders machen?

So ein Bote ist prima. Er drängt einen, Dinge fertig zu machen, ein Ergebnis zu haben. Nicht zu vergessen, es gibt immer die Möglichkeit, beim nächsten Mal anders oder noch besser zu sein. Plus: man hat dann schon Feedback (wenn man es hören will), und jedenfalls ein Stück mehr Erfahrung. Also besser einen Zeitpunkt bestimmen, an dem ein Projekt raus muss.

Oder noch besser: Boten für alle.