Archiv für: Dezember 2009

Interview mit Boris Becker

31. Dezember 2009 von Chris
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»Doppel- oder Dreifachbödiges – das ist für mich das Spannende.«

Der Künstler Boris Becker gehört zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Photographie-  szene. Zwischen 1982 und 1984 studierte er an der Hochschule der Künste in Berlin, danach bis 1990 bei Bernd Becher an der Kunstakademie in Düsseldorf. Seine Arbeiten werden national und international in Galerien und Museen ausgestellt.

Die in der SK Stiftung Kultur in Köln laufende Ausstellung »Boris Becker, Photographien 1984 – 2009« zeigt noch bis zum 28.02.2010 eine Werkübersicht, die Arbeiten Boris Beckers von den achtziger Jahren bis heute umfasst. Zu sehen sind u.a. Beispiele aus den Werkserien Hochbunker, Wohnhäuser, Konstruktionen, Felder und Landschaften, Fakes und Artefakte.   Zur Ausstellung erschien die umfangreiche Monographie »Boris Becker, Photographien 1984 – 2009« und das Buch »Fakes« über die gleichnamige Werkserie, das von drei aufwändig gearbeiteten Sondereditionen begleitet wird.

Boris Becker bezeichnet sich selbst als Bildfinder. Es gelingt ihm immer wieder, Facetten des realen Lebens zu entdecken, die, von anderen zunächst oft übersehen, ihren besonderen Reiz einer immanenten Vielseitigkeit verdanken. Nicht nur, dass die Motive zahlreiche, mögliche Geschichten und gedankliche Blickwinkel in sich vereinen, sie sind oft genug nicht das, was sie scheinen.

Sind die Hochbunker beispielsweise als Kirche überbaut, um den eigentlichen Schutzraum zu verbergen, geben die Wohnhäuser ein einerseits statisches und doch gleichzeitig der Verände-  rung, der architektonischen Mode unterworfenes Bild. Liefern die Felder Eindrücke aus der Natur, die nur mehr eine vermeintliche ist, fokussieren die Fakes täuschend bekannte Gegen-  stände, die vom Zoll als Produktpiraterie oder Behältnisse für Drogen- und Waffenhandel »enttarnt« wurden. Boris Beckers Arbeiten fordern daher stets auf, genau hinzuschauen und die dokumentarische Aussagekraft der Fotografie zu hinterfragen.

Auch wenn manchmal mehrere Fahrten notwendig sind, um nur ein Bild zu machen, die Ideen zu seinen Fotografien entstehen beispielsweise aufgrund von Zeitungsnotizen, Fernsehberich-  ten oder weil er am Flughafen bzw. Zoll ein besonderes Objekt entdeckt: »Mir ist dieser amorph geschwungene Frisierstuhl aufgefallen. Da wusste ich sofort, dass ich ihn vor einem monochromen Hintergrund fotografieren will.«

Diese Entdeckung macht deutlich, wie sehr Ideen und ihre Umsetzungen mit einer auslösenden Situation im Umfeld sowie der findenden Person, ihren speziellen Blickwinkeln und Interessen verwoben sind. Auch die Werkserien »Fakes« und »Artefakte« weisen daher eine gedankliche Linie auf, die schon in sehr frühen Werken von Boris Becker erkennbar ist. So ist es logisch, dass in der aktuellen Ausstellung neuere Arbeiten direkt neben Exponaten der ersten Werk-
serien zu sehen sind.

Und trotz allem: Boris Becker denkt manchmal auch darüber nach, etwas ganz anders zu machen. Was genau? Seht selbst im Interview…

Ab dem 16.01.2010 werden Arbeiten aus Boris Beckers Werkserie »Fakes« in der Herz Jesu Kirche am Zülpicher Platz in Köln zu sehen sein. Bei Gundel Gelbert in Köln werden ab dem 20.10.2010 die Publikation »Fakes« und die Editionen gezeigt, die bei Darling Publications/ Lim & Asmuth Publishers erschienen sind.

Unser Inspiration Lounge Interview entstand im Rahmen der Druckabnahme dieser Werke.

Vomiting World

29. Dezember 2009 von Chris

figure#8(click the pix) Noch haben wir 2009, doch die nächsten Ereignisse im Januar 2010 stehen praktisch vor der Tür. Deshalb weisen wir heute schon auf die Ausstellung »Vomiting World« der Künstlerin Susanne Junker hin, die ab dem 16.01.2010 in der Galerie TEAPOT in Köln zu sehen sein wird.

Susanne Junker lebt und arbeitet in Shanghai und Paris. Ihre Arbeit führte sie als Model zunächst vor die Kamera und inzwischen als Fotokünstlerin dahinter. In ihren seriellen Farbfotografien spielt sie zahlreiche Rollen, um sich mit Themen wie Macht/Machtlosigkeit und speziell mit der Situation der Frau in verschiedenen Gesellschaften auseinanderzusetzen sowie für mehr Freiheit und Selbst-bestimmung einzutreten. Ihre eigenen Erfahrungen in der schnellstlebigen Mode- und Modelwelt sind dabei eine wichtige Basis ihres Schaffens.

Mit den Serien »Figures for the base of a Crucifixion« von 2008 und »Me You Sex Friend Want« von 2007 bearbeitet Susanne Junker die Themen Unterdrückung und Stilisierung der Frau als Sexsymbol in Alltag und Medien. In ihrer Serie »Geiles Globales Gesicht« schlüpft sie in verschiedene Rollenbilder und klassische Masken der traditionellen Peking-Oper, die sonst ausschließlich Männern vorbehalten sind.

Wir haben vorab einige ihrer Werke zusammengestellt. Hier noch ein kleiner Gruß von Thomas Palme, der im November bei stageBack in Shanghai ausgestellt wurde.

Charta 08

27. Dezember 2009 von Kerstin

Liu Xiaobo_Quelle-WikipediaVor einigen Tagen berichteten wir über den Künstler Steve Kurtz, dem in den USA eine Verurteilung zu bis zu 20 Jahren Haft droht und dessen Geschichte in dem beeindruckenden Film »Strange Culture« geschildert wird. Mit dem Fall befasste Behörden streben offensichtlich danach, einen Präzedenzfall zur entscheidenden Einschränkung von Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit zu schaffen.

Am 24.12. wurde nun der chinesische Schriftsteller und Philosoph Liu Xiaobo zu 11 Jahren Haft verurteilt, weil er die Charta 08 mitentworfen und unterzeichnet hat. Wir verweisen deshalb heute auf die genauen Inhalte der Charta 08, um transparenter zu machen, welche Ideen und Forderungen nach Veränderung für so gefährlich und staatszersetzend gehalten werden, dass man Verfasser und Unterzeichner staatlich verfolgt.

In diesem Zusammenhang abschließend ein Zitat, das dieses Mal nicht aus einem Inspiration Lounge Interview stammt: »Menschen kann man einsperren, Ideen nicht.»

Fleißig feiern

24. Dezember 2009 von Kerstin

tapirLiebe Freunde der Inspiration Lounge,

es weihnachtet und 20o9 ist in ein paar Tagen vorbei. Damit endet dann auch das europäische Jahr der Kreativität. Ja tatsächlich, die EU und damit auch die Bundesrepublik hatten das Jahr 2009 der Kreatvität als wichtige Grundlage für persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Enwicklung sowie Neuerung gewidmet. Gemerkt hat davon kaum einer etwas.

Mir scheint, in vielen Bereichen wurde 2009 eher mit aller Kraft daran gearbeitet, trotz vieler neuer Vorzeichen an alten Gewohnheiten und Denkmustern festzuhalten. Passend dazu hat es die »Abwrackprämie« 2009 dann auch zum Wort des Jahres gebracht.

Jahreswidmung hin oder her: Kreativität ist und bleibt offenkundig eine »Do-it-Yourself-Angelegenheit. Mit den Worten von Volker Bombien, unserem Internet-Affecionado und Trüffelsucher, gesprochen: »Ideen sind toll, aber auf die Theorie muss auch die Praxis folgen, sonst ist das Entwickeln schöner Ideen am Ende müßig.«

Doch, glücklicherweise, gibt es neben vielen Leuten mit guten Vorsätzen immer auch Menschen, die Ideen entwickeln und umsetzen. Da ist zum Beispiel Eriko Kopp-Makinose, einer unserer letzten Interviewpartnerinnen im Jahr 2009. Sie hat mit anderen zusammen eine Schule gegründet, um kreative Entwicklung und Ideen gedeihen zu lassen, statt ihnen umgehend mit dem Zwang zur Fehlervermeidung zu begegnen. Oder Yung Chin aus NYC, einer der weltbesten Bogenexperten, dessen Inspiration Lounge Interview ebenfalls 2010 zu sehen sein wird . Er lässt sich beim Bogenbau stets von der persönlichen  Spielweise des Geigen- oder Cellospielers inspirieren, für die er den Bogen fertigt. »So wird nicht nur jeder Bogen einzig-artig, ich habe in den Jahren sehr viel über die Geigen- und Cellospieler gelernt, aber auch über mich selbst und lerne immer weiter.«

Oder man sagt es kurz und bündig, wie der Künstler Thomas Palme: »Immer weiter fleißig sein, bis Dir stellt der Tod ein Bein.«

In diesem Sinne: feiert erst mal fleißig. le tapir wünscht Euch frohes Fest.

Neues von der »Schnittstelle«

21. Dezember 2009 von Kerstin

schnittstelle(click the pix) Es geht auf Weihnachten zu, und nach vielen Interviewdrehs ist die Zeit gekommen, in der ich an den Schnittplatz zurückgekehrt bin. Viele verschiedene Interviewpartner aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen haben sich in den letzten Wochen in der Inspiration Lounge eingefunden.  Kunst, Film/Regie, Hirnforschung, klassische Musik und Bogenbau – es geht auch 2010 cross Genre, cross Culture weiter.

Als nächstes und letztes Inspiration Lounge Video in diesem Jahr zeigen wir demnächst unser Interview mit dem Künstler Boris Becker. Die Ausstellung Boris Becker, Photographien 1984-2009, ist in der SK Stiftung Kultur in Köln noch bis zum 28.2.2010 zu sehen. Eine zweite Ausstellung, die Boris Beckers Werkreihe »Fakes« zeigen wird, beginnt am 16.1.2010 in der Herz Jesu Kirche Köln.

Weiter geht es schon jetzt und auch 2010 mit einem neuen Kommunikationspartner der Inspiration Lounge. Manuel Odendahl, Kopf und Macher von ruinwesen und bisher mit Interview sowie Gastautorenbeiträgen vertreten, wird uns künftig mehr von seinen neuen Entwicklungen und seinem Schaffen berichten.