»Ihr seid Künstler und wir nicht«
14. Februar 2010 von Kerstin
Weil uns Merlin Bauer inzwischen gleich von zwei Seiten als Interviewpartner für die Inspiration Lounge empfohlen wurde, und aus gegebenem Rosenmontagsanlass hier ein Veranstaltungs- hinweis: Durch die maßgebliche Initiative von Merlin Bauer wird morgen am Rosenmontagszug ein Wagen teilnehmen, der das Motto »Ihr seid Künstler und wir nicht« quer durch Köln tragen wird. Begleitet wird der Wagen von zahlreichen Kunst- und Kulturschaffenden, u.a. Gerhard Richter, Candida Höfer, Andreas Gursky und Jürgen Flimm.
Das Motto »Ihr seid Künstler und wir nicht« nimmt Bezug auf die Kölner Kulturpolitik, insbesondere auf den nur mit knapper Mehrheit zustande gekommenen Beschluss, dass Kölner Schauspielhaus trotz der profunden Einwände zahlreicher Kulturschaffender abzureißen und durch einen teuren Neubau zu ersetzen. Angesichts schon angekündigter starker Kultur-etatkürzungen für die Jahre 2010/2011 wird befürchtet, dass Köln am Ende über ein neues Schauspielhaus als schicke Hülle verfügen könnte, in der nichts mehr stattfinden kann.
Ein Mottolied erklärt dann auch näher, warum die städtischen Verantwortlichen, im Gegensatz zu den Projektinitiatoren und -teilnehmern, Künstler sein sollen: »Sie lassen Häuser verschwinden und machen aus Geld Scheiße.«
Im Rahmen des Kunstprojekts »Ihr seid Künstler und wir nicht« geht es insbesondere auch um die Forderung nach mehr Mitverantwortung der Bürger im Bereich Kulturpolitik.
Dementsprechend läuft aktuell eine Unterschriftensammlung, mit der ein Bürgerbegehren zum Thema Erhalt und Sanierung des Kölner Schauspielhauses erreicht werden soll.
dr. george berbari (hirnforscher und psychiater)
emmanuel walderdorff
(emmanuel walderdorff galerie)
thomas fuhlrott (gründer von zait)
peter kowalsky (mitbegründer von bionade)
oliver matter (inhaber der matter-luginbühl ag)
stefan sander (weingut sander)
prof. dr. harald welzer (soziologe und sozialpsychologe)
boris becker (künstler), gabriele paulussen-becker
jochen distelmeyer (musiker)
Das ist ein tolles Engagement für eine bessere Kulturpolitik am Standort Köln. Und es ist völlig richtig, dass wir uns alle mehr für die kulturellen Belange vor der eigenen Haustür interessieren müssen. Sonst machen die, die keine Ahnung haben, einfach so weiter wie bisher.
Gerade wenn man bedenkt, was parallel im Hamburg passiert, kann man auch in Köln nur sagen: Kultur statt Event, gute Inhalte statt schicke Hüllen mit nichts drin!